Hogarts – ein wohl wahr werdender Kindheitstraum

Hogarts steht mit großen Buchstaben an der Stirnseite der Karussellhalle des ehemaligen Winterquartiers des Staatszirkus der DDR. Draußen werkeln einige Arbeiter zwischen Litfaßsäulen und Oldtimer. Es sieht auf den ersten Blick wie ein gastronomischer Betrieb aus. Und der sollte nicht täuschen.

„Es ist schon seltsam. Immer wieder kommen Leute auf die Baustelle und fragen nach, was es denn damit auf sich hat. Das habe ich so noch nie erlebt“, berichtete Holger Grahl, Bauherr und Inhaber des entstehenden Restaurants. Ob er da etwas ganz tief vergraben aus seiner Kindheit bisher mit durchs Leben geschleppt hat? Diese Frage stellt sich unwillkürlich, wenn man so ein Sammelsurium an Dingen aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren zusammenträgt. „Ja, da ist schon was dran“, antwortete Holger Grahl lachend. Und dann redet er los mit leuchtenden Augen, kennt jedes noch so kleines Detail der Sachen, eigentlich der ganzen Baustelle. „Mit dem Karussell ist Konrad Adenauer gefahren“, erklärte Holger Grahl und zeigt auf ein altes, gar nicht mal so kleines Kinderkarussell, das aber nach Restauration schreit. Alte kunstvolle Metallträger aus dem ehemaligen Ausflugslokal Palme aus Schmöckwitz tragen das Vordach des Restaurants. Schiffchen eines alten Karussells trennen die darunterliegenden Tische vom Vorplatz ab und sollen einmal üppig bepflanzt werden. Von einem alten Karussell stammen auch die Pferde, die einmal als Trio auf dem Dach des Hauses thronen werden. „Für eine Quadriga wie auf dem Brandenburger Tor reicht es leider nicht“, sagte Grahl augenzwinkernd. Genau vor dem Eingang steht ein gemauerter Sockel, in der Mitte ist eine Öffnung für ein kleines Rohr. „Das wird eine ewige Flamme. Dafür haben wir extra eine 50-Meter-Leitung für das Propangas verlegt“, erklärte Grahl. Neben der Halle soll ein Gewächshaus entstehen. „Da geht der Koch rein und pflückt frische Kräuter für die Küche und wird dabei sicher von den Gästen neugierig befragt“, sagte der Inhaber mit seinen Gedanken schon ein Stück weit in der Zukunft. Noch bevor man die Frage nach den Kosten dafür stellen kann, fügte er hinzu: „Es ist so ein Lebenstraum, für den ich Jahrzehnte gearbeitet habe. Vielleicht trägt sich es ja alles gar nicht, aber es ist mir es wert.“

Entstehen soll ein Restaurant im vorderen Bereich, zur B 1/5 hin, der alten Karussellhalle. Alte aufpolierte Gugelhupf-Kuchenformen aus glänzendem Metall hängen mit der Öffnung nach unten als Lampen an der Decke. Eine Bar aus den 60er-Jahren steht in der Ecke, alte Emailleschilder zieren das Regal genauso wie andere Dinge längst vergangener Jahrzehnte. Den Schriftzug „Rock’n Roll“ hat Grahl in der alten Halle in einer Ecke entdeckt und der wird eine Wand schmücken. Einige Dinge kommen vom Flohmarkt, anderes von Onlineauktionen – vieles wurde innerhalb von Jahren zusammengetragen. So wie große Friseurwaschbecken und Spiegel aus Omas Zeiten, die auch den Toiletten stilecht den richtigen Schliff geben.

Auch in Sachen Personal hat sich Holger Grahl nicht lumpen lassen. Restaurantleiter und Küchenchef sind anerkannte Meister ihres Fachs, doch bittet sich der Inhaber noch Stillschweigen über die Personalien aus. Hauptsächlich Salate und Suppen – „richtige Meisterwerke“, O-Ton Grahl – aber auch andere Gerichte warten auf die etwa 50 möglichen Gäste in vorderen Bereich. Dahinter wird ein Burger-Restaurant mit genauso vielen Plätzen entstehen. Ein Kamin und zwei eiserne gotische Fenster sind dort schon sichtbar, der Rest ist noch im Rohbau. Den Namen Staatsburger hat sich Grahl dafür schützen, eine Anlehnung an den Staatszirkus. Den speziellen Burger wird es dann als herzhaft, süß oder sauer und auch ganz unpolitisch geben.

Als die spontane Führung gerade endet, steht plötzliche eine Frau im werdenden Restaurant. „Ich habe am 11. Dezember Geburtstag. Kann ich hier schon feiern kommen?“, fragte sie Grahl. Nach kurzem Überlegen sagte er zu: „Ich denke schon“. So wäre dann auch der Eröffnungstermin grob geklärt, der Anfang Dezember liegen soll.

Als Nächstes ist dann das Dach der alten denkmalgeschützten Manege auf dem Grundstück dran. „Das muss unbedingt dicht gemacht werden und dann müssen wir mal schauen, was wir daraus entwickeln können“, sagte Grahl. Eine Verglasung kann er sich vorstellen, um den daraus entstehenden Raum später ebenfalls als Restaurant oder Veranstaltungsraum zu nutzen.

Räume für Veranstaltungen oder Seminare sollen auch über dem eigentlich Restaurant mit der Zeit entstehen. Genauso wie etwa 32 Appartements, die hinter dem gastronomischen Bereich in der Karussellhalle später eine Art Hotel bilden könnten. „Da ist die Planung noch nicht abgeschlossen. Das machen wir alles Schritt für Schritt“, erklärte Grahl.

Wie im Flug ist eine Stunde Führung vergangen. Irgendwie ist man dabei in eine andere Welt, eine vergangene abgetaucht, die einfach nur Spaß macht. Es sei so gewollt, sagte Grahl, dem man es abnimmt, dass er ein Stück weit für diesen Traum lebt. So könnte da an der Ecke zur B 1/5 eine richtige Attraktion für Hoppegarten entstehen, wenn der Inhaber sein Kind im Manne auch weiterhin bewahren kann.

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